{"id":88,"date":"2015-03-02T14:02:48","date_gmt":"2015-03-02T13:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gargoyleswacht.org\/?p=88"},"modified":"2015-03-02T14:02:48","modified_gmt":"2015-03-02T13:02:48","slug":"die-ernaehrung-im-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gargoyleswacht.org\/?p=88","title":{"rendered":"Die Ern\u00e4hrung im Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Menschen im Mittelalter hatte die Ern\u00e4hrung einen religi\u00f6sen Stellenwert. Doch sie geh\u00f6rte auch zum Spiel der Elemente, welches das Universum regiert.<\/p>\n<p>Wie die antike Wissenschaft und Medizin, stellte man sich die Welt als Verbindung von vier Grundelementen vor: Wasser, Feuer, Luft und Erde. Jedem dieser Elemente wurden genaue Grade an Hitze und Feuchtigkeit zugeschrieben. Der Mensch wurde als Mikrokosmos aufgefa\u00dft und vereinigte in sich die Eigenschaften und Elemente des Makrokosmos Welt.<\/p>\n<p>Da Nahrungsmittel ebenfalls ein Teil der Natur waren, hatten sie ebensolche Eigenschaften von Wasser, Feuer, Luft und Erde. Daher hatten sie in der Medizin unterschiedliche Funktionen. Sie dienten der Vorbeugung und f\u00f6rderten die Heilung. Sie regelten das Gleichgewicht der K\u00f6rpers\u00e4fte und Temperaturen im K\u00f6rper. Diese Theorie beeinflu\u00dfte die Ern\u00e4hrungslehre zumindest bis ins 17. Jahrhundert.<!--more--><\/p>\n<p>Doch die Menschen im Mittelalter waren nicht \u201eeinheitlich\u201c, und so versuchte man den verschiedenen Gruppen eine unterschiedliche Ern\u00e4hrung zuzuteilen.<\/p>\n<p><em>Sag mir, was du i\u00dft, und ich sag dir, wer du bist.<\/em><\/p>\n<p>Den Menschen im Mittelalter wurde per Gesetz genau vorgeschrieben, welche Speisen und wieviele auf einer Tafel sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ein Erla\u00df des Dauphin Combert de II Viennois aus dem Jahr 1336, das Sonntagsessen:<\/p>\n<p><strong>-Dauphin und Dauphine:<\/strong><\/p>\n<p>je 2 Pasteten, jeweils mit einem gro\u00dfen Huhn oder 2 H\u00e4hnchen gef\u00fcllt<\/p>\n<p><strong>-Barone und hohe Ritter:<\/strong><\/p>\n<p>jeweils eine dieser Pasteten<\/p>\n<p><strong>-niedere Ritter:<\/strong><\/p>\n<p>zu zweit eine Pastete<\/p>\n<p><strong>-Schildknappen, Kaplane, niedrige Geistliche:<\/strong><\/p>\n<p>ein Viertelhuhn oder ein halbes H\u00e4hnchen und zu zweit eine Achtelscheibe Schweinefleisch aus der Keule in einer Pastete<\/p>\n<p><strong>-Personal, Gesinde:<\/strong><\/p>\n<p>kein Gefl\u00fcgel, zu zweit eine Zw\u00f6lftelscheibe Schweinefleisch aus der Keule in einer Pastete<\/p>\n<p>Die soziale Hierarchie eines Hauses zeigte sich nicht nur an der Menge, sondern auch an der Qualit\u00e4t der servierten Speisen. Gefl\u00fcgel hielt man f\u00fcr besser und war deshalb nur f\u00fcr die gehobene Schicht. Rind, Schaf und Schwein a\u00dfen nur arme Leute oder Schwerarbeiter.<\/p>\n<p>Genauso war das Gem\u00fcse und Obst unterteilt. Grob konnte man sagen: Je weiter oben etwas wuchs, desto h\u00f6her stieg es in seiner Rangordnung. Wurzelgem\u00fcse und Kr\u00e4uter kamen aber niemals auf den Tisch eines Adeligen. Daf\u00fcr sehr viel Obst, N\u00fcsse und getrocknete Fr\u00fcchte. Bei Erdbeeren und Melonen war man sich aber nicht sicher und vermied daher den Konsum.<\/p>\n<p>Zucker war ebenfalls dem Adel vorbehalten. Das einfache Volk s\u00fc\u00dfte mit Honig.<\/p>\n<p>Die mit der Entdeckung Amerikas eingef\u00fchrten Pflanzen, wie Tomaten, Piment, Mais, Kartoffeln und gr\u00fcne Bohnen wurden allerdings bis ins 18 Jhdt. kaum verwendet.<\/p>\n<p>Zu allen Regeln gab es nat\u00fcrlich auch Ausnahmen f\u00fcr Spezielle Gruppen.<\/p>\n<p>Kinder, Geistliche, Ritter, Kranke und Pilger.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: adelige Kinder bis 5 oder 6 Jahre. Sie bekamen 3 Mahlzeiten am Tag:<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchst\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>ein weiches Ei, ein gekochter Apfel etwas weiches Brot<\/p>\n<p><strong>Mittagessen<\/strong><\/p>\n<p>Eintopf aus Kapaun, Kalb, Rind, Huhn, Rebhuhn, Krebs oder Barsch mit Brot, dieser Eintopf konnte auch durch Esels- oder Ziegenmilch ersetzt werden<\/p>\n<p><strong>2.Gang<\/strong><\/p>\n<p>Rebhuhn, Fasan, Lerche, Kalb oder Hammel in kleinen St\u00fccken mit So\u00dfe, ohne Ingwer<\/p>\n<p><strong>Nachspeise<\/strong><\/p>\n<p>gekochte Birne oder gekochter Apfel mit viel Zucker<\/p>\n<p><strong>Zu trinken<\/strong><\/p>\n<p>Zuckerwasser mit einem Schuss sehr leichtem Wein<\/p>\n<p>Es gab sehr selten Fisch, denn wegen seiner kalten, nassen Natur galt er als ung\u00fcnstig f\u00fcr die Entwicklung. Es gab sehr viel Zucker, wenig Scharfes und viel Gefl\u00fcgel wie auch in der Krankendi\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Was wurde getrunken:<\/strong><\/p>\n<p>Zum gr\u00f6\u00dften Teil gab es Wein. Meist wurde Wei\u00dfwein getrunken. Bis zum 13 Jhdt. war er eher leicht, dann wurde er st\u00e4rker. Es gab verschiedene Qualit\u00e4ten. Wei\u00dfwein, Beerenwein(rot), Kelterwein(rot, st\u00e4rker), Tresterwein(rot, leicht), Hypocras(Gew\u00fcrzwein). Bier, Met, Cidre, Birnenmost oder \u00e4hnliches Gebr\u00e4u wurde meist nur getrunken, wenn Wein zu teuer war. Das damalige Bier war noch ohne Hopfen und eher dickfl\u00fcssig. Es wurde auch oft als Mahlzeit gesehen. Man konnte es leicht zuhause mit einigen Aromastoffen herstellen (Enzian, Salbei, Lavendel, Koriander, Absinth). Ab dem 15 Jhdt. gab es dann das eigentliche Bier wie wir es kennen.<\/p>\n<p><strong>Ein Beispiel zum Weinkonsum:<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Vertrauten des Bischofs von Arles im Jahre 1424: &#8211; 2,5l pro Kopf und Tag 900l im Jahr<br \/>\nOchsentreiber des Hospiz von Aix: &#8211; 230l im Jahr<br \/>\nKlosterg\u00e4rtner von Saint-Victor: &#8211; 315l im Jahr<br \/>\nStudenten: &#8211; 220l im Jahr<br \/>\neine Witwe aus Barjols: &#8211; 360l im Jahr<br \/>\nGef\u00e4ngnisw\u00e4rter, Marktgendarmen, Fischer: &#8211; 2,5l pro Tag<\/p>\n<p><strong>Wann wurde gegessen:<\/strong><\/p>\n<p>Meist gab es nur zwei Mahlzeiten am Tag. Mittagessen zwischen 10 und 11Uhr, Abendessen zwischen 16 und 19Uhr. Bauern oder Schwerarbeiter hatten meist auch ein Fr\u00fchst\u00fcck. Ebenso bekamen G\u00e4ste die sehr fr\u00fch ankamen eine kleine Mahlzeit.<\/p>\n<p><strong>Wie wurde gegessen:<\/strong><\/p>\n<p>Nur der F\u00fcrst besa\u00df ein komplettes Gedeck mit Messer, L\u00f6ffel, Schneidteller und einem Humpen. Gabeln waren eine Seltenheit. Meist wurden ein L\u00f6ffel und ein Messer selbst zur Einladung mitgebracht. Die Sch\u00fcssel und Schneidteller sowie die Humpen mu\u00dften sich immer 2 G\u00e4ste teilen. Nicht immer zur Freude Aller. Deshalb gab es sehr bald schon allgemein g\u00fcltige Tischsitten:<\/p>\n<p>&#8211; Ein Kind, das sich gut benehmen will, soll diese Regeln auswendig lernen.<br \/>\n&#8211; Wasch dir die H\u00e4nde nach dem Aufstehen und vor jeder Mahlzeit.<br \/>\n&#8211; Greif nicht als Erster nach der Sch\u00fcssel.<br \/>\n&#8211; Was du im Mund gehabt hast, legt nicht aufs Geschirr zur\u00fcck.<br \/>\n&#8211; Kaue nicht etwas, das du wieder ausspucken musst.<br \/>\n&#8211; Tunk nicht dein Essen ins Salzfa\u00df.<br \/>\n&#8211; Wisch dir den Mund ab, bevor du aus dem Becher trinkst.<br \/>\n&#8211; Hast du Brot ins Weinglas gebrockt, trink alles aus oder gie\u00df es weg.<br \/>\n&#8211; Schneuz dich nicht in die blo\u00dfe Hand.<br \/>\n&#8211; Merk dir diese Worte gut und biete nie den Rest in deiner Sch\u00fcssel jemand anderem an.<\/p>\n<p><em>aus &#8222;Tafelfreuden im Mittelalter&#8220; von Bruno Laurioux<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Menschen im Mittelalter hatte die Ern\u00e4hrung einen religi\u00f6sen Stellenwert. 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